Die Academy gibt den letzten Anschein von Integrität auf

Allgemein 14. Februar 2019

Wie die meisten mittlerweile mitbekommen haben, hat die Academy of Motion Picture Arts and Sciences entschieden ein paar Oscars während der Werbepausen zu verleihen, damit mehr Zeit für die Kategorien ist, die mehr Werbeeinnahmen bringen. Die Oscars stehen seit Jahren, wenn nicht gar schon immer in der Kritik, mehr an (Eigen)Werbung interessiert zu sein, als an der Kunst des Filmemachens. Es ist eine Veranstaltung, in der die Branche sich selbst feiert, es geht um die großen Stars, um tiefe Ausschnitte und weiße Zähne. Der rote Teppich ist schon lange wichtiger als die Leinwand.
Jetzt endlich hat die Academy ihre Fassade aufgegeben und sich dem Narzissmus komplett ergeben. Unter anderem Cinematography (Kamera) und Editing (Schnitt) wurden in die Werbepausen verbannt und werden somit nicht mehr bei der Übertragung gezeigt. Das ist ein unfassbarer Schlag ins Gesicht der Filmemacher, die sich schon lautstark in den Sozialen Medien und mit offenen Briefen beschwert haben.
Artikel über den offenen Brief von Tarantino, Scorsese und Co.

Ich schaue die Oscars schon seit Jahren nicht mehr, bin aber trotzdem erschüttert von dieser Entscheidung.

Depression – Vortrag von Andrew Solomon

Gesundheit, Video, Vortrag 2. Februar 2019

Andrew Solomon hat einen tollen Vortrag über Depression gehalten, dabei ging es ihm nicht so sehr um Heilung, als um eine genaue Beschreibung und darum, die Krankheit öffentlicher zu machen. Depression und andere mentale Krankheiten sind für die Betroffenen immer noch mit viel Scham behaftet, „gesunde“ Menschen begegnen einem oft entweder mit Mitleid oder Unverständnis, meistens jedenfalls von oben herab, was absolut nicht hilfreich ist, wenn man sich schon schlecht fühlt. Solomon plädiert dafür, dass sich sowohl Betroffene als auch Angehörige öffnen und sich austauschen. Jeder trägt etwas mit sich herum, es voreinander zu verstecken hilft niemandem.

Marvel’s The Punisher Season 2 Episode 1

Kritik, Serien 20. Januar 2019

Marvel's The Punisher Season 2 Episode 1

Mit der ersten Folge der zweiten Staffel legt der Punisher einen der besten Staffelstarts seit Langem hin. Jon Bernthals schlüpft mühelos wieder in die Rolle von Frank Castle, die bereits in Daredevil und der ersten Punisher Staffel so wundervoll ausführte. Er wechselt dabei mir scheinbarer Leichtigkeit zwischen dem traumatisiertem Mann, der nur seinen Frieden will und dem wilden Tier, das ohne jegliches Zögern über Leichen geht, wenn es sein muss.
Diese erste neue Folge ist liebevoll und brutal inszeniert und ein Meisterwerk an effizientem Storytelling. Wenn ich die nächsten Tage nicht erreichbar bin, wisst ihr warum…

Gillette gegen toxische Maskulinität

Video 17. Januar 2019

Klar ist das eine Werbung, die letztlich Rasierer verkaufen soll, trotzdem ist die Botschaft sehr richtig und sehr wichtig. Vor allem, wenn man sich die Youtube Kommentare anschaut, weiß man, an wen sich diese Werbung richtet.

Geistkrieger: Feuertaufe

Bücher, Kritik 17. Januar 2019

 

Geistkrieger: Feuertaufe

Geistkrieger von Sonja Rüther war (wie viel andere Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe) eine Empfehlung der Phantastik Bestenliste. Nachdem der unglücklich gewählte Titel mich eine Weile vom Lesen abhielt, konnte ich mich doch schließlich durchringen und habe es nicht bereut. Der Roman spielt in einer alternativen Gegenwart, in der es den Europäern nie gelang, Amerika zu Besiedeln. Ohne den Einfluss der Europäer entwickelte sich der Kontinent zu einem Utopia, in dem die technologische Entwicklung in Einklang mit der Natur stattfand und den Rest der Welt weit hinter sich lies.
Die Geschichte folgt dem schottischen Personenschützer Finnley, der in einen mächtigen Klan der Powtankaner (wie sich die amerikanischen Ureinwohner selbst nennen) einheiraten möchte. Dazu muss er sich aber erst einmal seinem zukünftigen Schwiegervater und seinen neuen Kollegen bei der Polizei zu beweisen. Zu allem Überfluss wird er in eine Sondereinheit für „spirituellen Missbrauch“ gesteckt, ein Gebiet für das ihm jegliches Verständnis fehlt. Die „Geistkrieger“ werden mit der Aufklärung einer brutalen Mordserie betraut, mit der selbst die erfahrenen Kollegen überfordert zu sein scheinen.
Sonja Rüther entwirft eine schöne Welt, die gefüllt ist mit interessanten Charakteren, faszinierender Technik und schöner Spiritualität. Leider hat man nicht immer Zeit, diese Welt zu genießen, da die Handlung ein enormes Tempo vorlegt, durch die das Buch aber immer spannend bleibt. Ein wenig enttäuschend fand ich auch den Cliffhanger am Ende, da das Buch somit keinen befriedigenden Abschluss hat – und das sollte auch beim ersten Band einer Reihe möglich sein.
Trotzdem gebe ich eine klare Leseempfehlung für diesen einzigartigen Genremix aus Fantasy, Sci-Fi und Krimi. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.

Anti Social Media

Kritik, Social Media, Video 10. Januar 2019

Derek von Veritasium legt hier schön dar, warum er gegen soziale Medien ist und ich finde das alles sehr einleuchtend. Ich würde niemandem in seine Benutzung von Instagram, Twitter und Co reinreden, aber wenn eure Stimmung auch unter diesen Plattformen leidet, findet ihr hier vielleicht die fehlenden Argumente, um euch von diesen Vernichtern von Zeit und Lebensqualität abzuwenden.  😉

Ich würde im Übrigen pauschal alle Videos von Veritasium und Veritasium2 empfehlen.

Broken Earth – The Fifth Season (Kritik)

Bücher, Kritik 9. Januar 2019

TL;DR: Episch, spannend, bewegend – heute noch Kaufen!

The Fifth Season (Zerrissene Erde) ist das erste Buch der Broken Earth Trilogie von N. K. Jemesin. Es spielt in einer Post-Apokalyptisch-Mittelalterlichen Welt, die von regelmäßigen Katastrophen wie Erdbeben und Vulkanausbrüchen heimgesucht wird und die von den Spuren vergangener Zivilisationen übersäht ist. In dieser Welt gibt es Menschen, die eine magische Verbindung mit der Erde haben. Sie können das gefährliche Aufbäumen der Erde nicht nur spüren, sondern sogar unterdrücken oder heraufbeschwören. Diese Kräfte lösen in den normalen Menschen viel Angst und damit automatisch Hass aus.
Die Handlung beginnt damit, dass einer dieser besonderen Menschen den ganzen Kontinent der Länge nach aufreißt und damit eine sogenannte „Fünfte Jahreszeit“ auslöst, wie die Menschen eine Katastrophe von globalem Ausmaß nennen.
Die Geschichte wird aus der Perspektive von drei Frauen erzählt, die über diese besonderen Fähigkeiten verfügen. Damaya ist ein kleines Mädchen, die in die Obhut eines Guardians genommen wird, nachdem ihre Familie ihre Kräfte entdeckt und sie verstoßen hat. Wir folgen ihrem Weg zum Fulcrum, wo sie ausgebildet und streng kontrolliert wird. Syenite ist bereits fertig mit der Ausbildung und begibt sich auf eine Mission, die weit gefährlicher ist als sie anfänglich schien. Essun ist die dritte im Bunde, sie lebt unerkannt in einer kleinen Stadt, bis sie eines Tages ihren toten Sohn findet, der offensichtlich von ihrem Ehemann ermordet wurde. Mit diesen drei Frauen entdeckt man die fantastischen und schrecklichen Geheimnisse einer sternbenden Welt, die N. K. Jemesin ausschließlich durch die Augen ihrer Protagonistinnen beschreibt und somit ausschweifende Erklärungen und Geschichtsstunden vermeidet, die sonst in diesem Genre so verbreitet sind. Es gelingt ihr dabei, sowohl die tiefsten Gefühle als auch die größten wortwörtlich Weltbewegenden Momente in so schöne Worte zu verpacken, dass einem bisweilen den Atem stockt.

Seit Ann Leckie’s Ancillary Justice hat mich kein Buch mehr so begeistert und bewegt.

Copyright The Verge

Die anderen zwei Bücher der Trilogie werde ich nicht gesondert beschreiben. Wer das erste gelesen hat, wird den Rest ohnehin lesen wollen und nicht enttäuscht sein.

Mortal Engines (Kritik)

Filme, Kritik 9. Januar 2019

Mortal Engines (Kritik)

Ich kam sehr schwer rein in Mortal Engines. Alles war zu bunt, sah zu sehr nach Studio aus und ausnahmsweise gab es viel zu wenig Exposition über die Welt. Nach dem ersten Drittel nahm der Film aber Fahrt auf und es entstand sogar etwas Chemie zwischen den beiden jungen Protagonisten, auch wenn ich es etwas problematisch fand, dass der Film sich nicht entscheiden kann, aus welcher Perspektive er erzählt wird. Hera Hilmer ist super als die junge Frau, die nur auf Rache aus ist – leider ist es ein wichtiger Punkt ihrer Figur, dass sie durch eine Narbe entstellt ist, aber wie auch schon bei Ready Player One haben sie sich nicht getraut, sie tatsächlich zu entstellen. So ist sie eine schöne junge Frau, mit einer Narbe, die dauernd gesagt bekommt, wie hässlich sie ist. Oh Hollywood… An ihrer Seite spielt Robert Sheenan, der mir das erste mal in Misfits aufgefallen war. Als energetischer Typ mit einem sehr intensiven Blick passt er wunderbar in die Rolle des naiven, widerwilligen Helden. Also Antagonisten haben wir Hugo Weaving, der alles aus seiner schönen Stimme rausholt, dessen Motivation aber bis zum Schluss ein Rätsel bleibt.
Hier und da mit wunderschönen Bildern gespickt, konnten die Effekte leider nicht immer überzeugen. Ein Film über fahrende Städte sollte vor allem Größe erzählen und das gelingt ihm fast nie. Die Handlung ist absolut vorhersehbar und frei von jeglicher Überraschung, trotzdem läuft sie ganz gut vor sich hin und konnte mich mitunter auch mitreißen. Wie so oft bleibt am Ende die Frage stehen, ob man aus dem Material nicht noch viel mehr hätte machen können…

Mortal Engines (Kritik)